Die letzte Hürde, Teil 2

Die Überschreitung des Kongma La startet mit dem Übergang über den Khumbu-Gletscher. Schnell merkt der Aspirant, dass hier viel seltener Leute unterwegs sind. Die Route ist weniger eindeutig, auch spärlicher durch Steinmänner gekennzeichnet und so deutlich mühsamer als die Überquerung des Ngozumba-Gletschers.

Der erste Teil des Aufstieges nach dem Gletscher ist moderat, weiter oben wird er unangenehm geröllig und steil. Kurz vor der Passhöhe muss über großkalibrige Felsbrocken gestiegen werden, was sehr heikel werden kann, wenn diese Passage verschneit ist.

Teepause in Kangjuma mit dem letzten Blick auf Everest, Lhotse und Ama Dablam auf dieser Reise.

Auf der Passhöhe angekommen, eröffnet sich ein spektakulärer Blick auf die Riesen des Imjatales, allen voran Nuptse, Lhotse, Makalu, Baruntse und viele andere mehr.

Der Abstieg ins Imjatal ist bis auf die ersten paar steilen, absturzgefährdeten Meter, wo man ein wenig vorsichtig sein muss, sehr einfach. Allerdings kann die Wegfindung bei sehr schlechter Sicht anspruchsvoll werden, und man sollte sich in diesem Fall bestens auskennen.

Zurück in Namche Basar und sogleich fiel die Gruppe in unsere Stammbäckerei ein. Ich hatte hier gemeinsam mit Te Kumar mit der Packerei für die zweite Tour im April zum Mera Peak zu tun. Aber im Café war ich auch!

Nach sechs Stunden Gehzeit trafen wir in Chukhung ein. Hier gab es ein kleines Mittagsmahl und hier tauchte plötzlich Kai auf, der uns von Dingboche entgegengelaufen war.

Der anderthalbstündige Abstieg von Chukhung nach Dingboche war dann nur noch ein entspannender Abendspaziergang, welcher kurz vor unserer Lodge in einem für das 4400 m hoch gelegene Dingboche ungewöhnlich mondänen Café endete.

Mit diesem Abstieg vom Pass hinunter nach Dingboche (16.03.) hatte unser Heimweg nun endgültig begonnen.

Das traditionelle Gruppenbild im Souvenierladen meiner tibetischen Freundin Lakpa. Sie besteht darauf, meinen Gästen die Khata zu überreichen. Das ist ein traditioneller Begrüßungs- oder auch Verabschiedungsschal, der in Tibet meist aus weißer Seide gefertigt ist. Er symbolisiert das reine Herz des Überreichenden. In unserem Fall steht er für den Wunsch Lakpas, dass wir wiederkommen mögen.

Es ging von nun an jeden Tag rapide abwärts mit uns. Am 18. März trafen wir in Namche ein, einen Tag später erreichten wir Lukla. Hier nun begann, so wie immer, das große Zittern! Wird das Wetter am nächsten Tag mitspielen? Werden wir fliegen? Was sagt die Wetterprognose?

Dies ist immer die letzte große Hürde, die wir auf dem Weg zurück in die Heimat „überwinden“ müssen. Nur leider liegt der Zustand des Wetters nun so gar nicht in unserer Hand.

Die Prognose sah aber vielversprechend  aus. Und zwar sowohl für Lukla als auch für Kathmandu. Das gehört untrennbar zusammen. Also beschloss ich, den nächsten Tag (20.03.) gelassen auf mich bzw. uns zukommen zu lassen.

Zur Verabschiedung von unseren sieben Trägern gehört nicht nur die feierliche Übergabe des Trinkgeldes und die Verabschiedungszeremonie mit Rede sondern natürlich auch das Gruppenfoto. Unten links Sanjit, rechts Mitu. Darüber links Ranjit und rechts neben Thomas hat sich der Chef unserer Träger (Sirdar) Chatur plaziert. Direkt unter Chatur mit den verschränkten Armen sitzt Uttam. Die beiden in der oberen Reihe sind links Nirasch und rechts Bijay.

Aber ich hatte mich zu früh gefreut. Während ich das hier in dem eiskalten Warteraum des Luklaer Flugplätzchens gerade (20.03.) schreibe, ist der Lukla-Airport geschlossen. Schon seit Stunden sitzen wir hier und warten. Wir haben scheinbar nun schon zum zweiten Mal Pech mit dem Flug-Wetter. Der Wind sei der Schuldige. Es gäbe zu viel davon. Und aus Erfahrung weiß ich, dass es zum Nachmittag hin in aller Regel nicht besser wird.

Und so kam es dann auch. Die Meldung, dass unsere Flüge endgültig gecancelt sind, wurde gegen 14.30 Uhr verkündet. Dieser Tag war gelaufen. Unserer Laune tat das jedenfalls nicht gut.

Der winzige Flugplatz von Lukla in 2850 m Höhe. Er soll ja angeblich der gefährlichste Flugplatz der Welt sein. Ich kann meine Starts und Landungen hier gar nicht mehr zählen und lebe immer noch…

Denn am nächsten Tag (21.03.) sollte das Wetter auf keinen Fall besser werden. Ich setzte alle Hebel in Bewegung, mich eben nicht dem Schicksal zu ergeben und untätig dabei zuzusehen, auf welchen Flug wir nun umgebucht werden.

Ich wollte auf Biegen und Brechen die frühest mögliche Maschine bekommen. Denn auch an diesem Freitag sollte das „Windproblem“ noch wie ein Damoklesschwert über Lukla hängen. Mir war dabei inzwischen egal, ob wir nach Kathmandu oder nach Ramechhap fliegen würden. Letzteres allerdings bedeutete eine weitere mindestens sechsstündige Busfahrt nach Kathmandu. Darauf hat hier in dieser Gruppe nun wirklich keiner mehr Lust.

Geschafft! Endlich konnten wir in unseren Flieger steigen.

Je zeitiger am Morgen es ist, desto eher sind Flüge möglich. Das hat rein physikalische Gründe. Die Hangauf- bzw. Talaufwinde durch die Erwärmung der Luftmassen über den riesigen Hängen der umliegenden Berge sind noch nicht in so richtig in Schwung gekommen.

Und mein Plan ging auf. Schon kurz nach acht Uhr landeten wir nach einem doch auch jetzt schon recht turbulenten Flug in Ramechhap. Unsere letzte große Hürde auf dieser Reise war genommen. Die Busfahrt in unser Hotel in Kathmandu war dann nur noch Formsache. Alle freuten sich, geflogen zu sein und nun auf jeden Fall in Kathmandu anzukommen. Ganz besonders ich!

In unserer Twin Otter war es eng. Und der Flug turbulent. Selbst die Stewardess sah etwas verkrampft aus während des Fluges.

Wir genießen nun die beiden letzten Tage hier in Nepals Hauptstadt. Gestern (22.03.) stand die Stadtrundfahrt nach Baktapur, Pashupatinath und Bouddhanath auf dem Programm. Heute, am letzten Tag, wird noch einmal ausgeschlafen, entspannt, eingekauft und eine Wanderung auf den Affentempel unternommen.

Dann geht es für meine erste Gruppe wieder zurück in die Heimat. Für mich beginnt das Abenteuer Mera-Peak (6476 m) mit meiner zweiten Gruppe.

Mit viel Glück kann man auf dem Flug nach Kathmandu noch einmal einen solchen letzten Blick auf die Berggiganten des Khumbu erhaschen. Doch leider hatten wir auf dieser Tour dieses Glück nicht.

Schon der Weg zu diesem Berg und noch viel mehr der Rückweg über den fast 5800 m hohen Amphu Labtsa Pass wird sehr aufregend werden. So viel steht schon mal fest.

Und wenn ich zwischendurch immer mal wieder ein Zipfelchen Internet erwischen kann, dann gibt es an dieser Stelle weiterhin die Gelegenheit, auch am Mera-Peak zumindest virtuell dabei zu sein!

Abschlußabend zu Hause bei Mingmar Sherpa, dem Chef meiner nepalesischen Partneragentur Boss Adventure, auf seiner schönen Terrasse. Seine Frau hat großartig für uns gekocht! Vielen Dank für den wunderbaren Abend.

zu den anderen Blogbeiträgen dieser Reise:

Nepalstart mit Hindernissen

Jeep-Rodeo

Khumbu-Trek, der 40ste

Gute Tage, schlechte Tage

Nepals größter Gletscher

Glück muss man haben

Die letzte Hürde, Teil 1

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5 Antworten

  1. Wolfgang Jähne sagt:

    Hallo Olaf und Mitstreiter, wie schnell doch die Zeit vergeht! Ihr habt aber doch eine erlebnisreiche Tour gehabt, trotz einiger unvorhersehbaren Ereignisse. Alles Gute für Euch und dir Olaf eine gute 2 Tour. Wolfgang

    • Gisela sagt:

      Lieber Olaf
      Ich warte immer gespannt auf die Berichte deiner diesjährigen Tour und freue mich mit euch, daß ihr gut wieder in Kathmandu angekommen seid und eine erlebnisreiche Tour hattet.
      Ich zehre immer noch von den Erinnerungen an unsere Tour im letzten Jahr.
      Dir wünsche ich eine gute Zeit mit der nächsten Gruppe und bin schon gespannt auf die Berichte!
      Liebe Grüße Gisela

  2. Olaf Rieck sagt:

    Vielen Dank, liebe Gisela und lieber Wolfgang, für Eure so wohlwollenden Kommentare. Ich freue mich immer besonders über die vielen Wortmeldungen meiner „Ehemaligen“. Liebe Grüße aus Kathmandu Olaf

  3. Ingrid Hoppe sagt:

    Lieber Olaf,deine Berichte haben mich ins vergangene Jahr zurück versetzt, ich denk gern an diese unvergessene Zeit,ich war beim Lesen immer wieder mittendrin.
    Ich wünsche dir viel Spaß und Erfolg mit deiner 2.Gruppe.
    Liebe Grüße Ingrid. 🌄

  4. Veronica sagt:

    Lieber Olaf, schön zu lesen, dass ihr gut wieder in Katmandu angekommen seid. Und ich denke dass die Gruppe inzwischen auch gut wieder zuhause angekommen ist. Ich lese deine News aus Nepal ja schon seit Jahren, aber jedes Mal freue mal freue ich mich wie verrückt, wenn es eine neue News gibt und ich über eure Erlebnisse lesen kann! Und jetzt …. auf geht’s zum Mera Peak! Viel Erfolg!
    LG, Veronica

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