Kulturbeitrag

Nach zwei Khumbu-Touren innerhalb weniger Jahre starte ich jetzt mit dieser ganz besonderen Truppe in Richtung Mera-Peak. Bereits auf dem Hinflug gab es viel Gelächter, viele gute Sprüche und noch bessere Gespräche.

Herzliche Begrüßung abermals mit Blumenkränzen in Lumsa. Diesmal waren es Rhododendron-Kränze.

Um Mitternacht köpften wir im Transitbereich des Flughafens in Istanbul zwei Flaschen Sekt, um kurz vorm Boarding unseres Anschlussfluges auf unser Geburtstags“kind“ anzustoßen. Und als wir in Kathmandu in die gleißende Sonne und den Staub der Hauptstadt traten, waren wir bereits ein Team. Nur Olaf und Te Kumar fehlten noch.

Mingmar (links) war auch in Lumsa und begrüßte uns persönlich in seiner wirklich sehr schicken und komfortablen Lodge. Lumsa ist Mingmars Heimatdorf.

Am 28.03. folgte dann das erste große Abenteuer unserer Tour: mit dem Bus nach Lumsa! Nach der aufregenden, lauten, quirligen Anreise in vollen Flugzeugen und vollen Städten, umgeben von einer schier unerschöpflichen Masse an Menschen, hatte ich in Lumsa endlich das Gefühl, angekommen zu sein. Angekommen in den Bergen, angekommen in dem Nepal, nach dem ich mich zurückgesehnt habe.

Das neu erbaute Kloster in Lumsa. Das alte war beim Erdbeben 2015 völlig zerstört worden.

Vor unserem Aufbruch am nächsten Tag (29.03.) zeigte uns die Dorfgemeinschaft allerdings noch, wie Gastfreundschaft auf Nepalesisch geht. Mingmar Sherpa, ihr prominentestes Mitglied und Chef unserer großartigen Agentur (BOSS ADVENTURE), betreibt hier gemeinsam mit seiner Familie die „Mingmar Lodge“.

Klosterführung durch Mingmars älteren Bruder Pasang.

Holzgetäfelte Zimmer, gemütliche Betten mit weißer, weicher, sauberer Bettwäsche und blitzsaubere, niegelnagelneue Badezimmer erwecken hier den Eindruck, man wäre versehentlich in die Alpen gereist statt nach Nepal. Und auch das reichhaltige Buffet, zu dem sogar Wein bestellt werden kann, ist außergewöhnlich.

Die Frauen des Dorfes zelebrierten eine tibetische Teezeremonie und überreichten uns anschließend Khatas.

Die Mehrfachtäter unter uns wissen, dass dies mit Abstand die luxuriöseste Lodge auf unserer gesamten Reise sein wird. Ich persönlich finde das auch ganz gut, denn so richtig „typisch nepalesisch“ ist das eben nicht. Umso typischer ist dafür die Offenheit und unverfälschte Freundlichkeit, die uns hier überall begegnet.

Als Auftakt des Kulturprogramms in Lumsa wurde ein traditioneller Sherpatanz für uns aufgeführt.

Am nächsten Morgen vor unserer ersten Etappe besuchten wir das Kloster des Dorfes. Mingmars Bruder Pasang zeigte uns die Heiligen, erklärte uns, wie wir das geweihte Wasser verwenden sollen (ein Schlückchen trinken und dann den Rest über Gesicht und Haare verteilen) und wie wir richtig um die Stupa gehen (dreimal, im vorbeigehen jedes Mal Buddha grüßen und ja nicht innen an den großen Stangen vorbeigehen!).

Nach den Sherpanis waren die Mädchen des Dorfes an der Reihe und tanzten für uns.

Anschließend besuchten wir die Schule des Dorfes und Mingmar berichtete von ihrer Geschichte: Die Kinder des Dorfes mussten früher sehr weite Wege zur nächstgelegenen Schule zurücklegen und verpassten oft den Unterricht, da die Wege bei schlechtem Wetter und tiefem Schnee unpassierbar wurden. Ein leerstehendes Wohnhaus in Lumsa wurde zu einer Grundschule umfunktioniert, beim großen Erdbeben von 2015 aber leider vollständig zerstört.

Anschließend führten die Jungs einen klassisch nepalesichen Tanz für uns auf. Alle hatten sehr viel Spaß!

Spendengelder aus Deutschland, Andorra und der Schweiz ermöglichten anschließend den Bau eines neuen Schulgebäudes inklusive Kantine, Sportplatz und Kletterwand! Heute werden hier die Kinder von Lumsa und aus den umliegenden Dörfern von 7 Lehrkräften unerrichtet, die dauerhaft vor Ort wohnen, so dass eine lückenlose Grundbildung möglich wird.

Halb Lumsa war auf den Beinen, um uns ihre Traditionen nahe zu bringen und mit uns zu tanzen und zu feiern.

An diesem Morgen erwarteten die Kinder, Lehrer und Dorfbewohner uns am Sportplatz. Durch ein Spalier aus goldbehangenen Mädchen in feinen Gewändern und kleinen Jungs in hübschen Anzügen und Mützen erreichten wir die eigens für uns vorbereiteten Sitzplätze.

Auf dem Weg von Lumsa zu unserem nächsten Ziel, dem 4065 m hohen Peekey Peak.

Es folgte eine perfekt einstudierte Darbietung. Drei verschiedene Tänze, eine tibetanische Teezeremonie und viele Khatas später fühlten wir uns nicht nur wilkommen, sondern auch gesegnet und gerüstet für die bevorstehende Reise. Zum krönenden Abschluss mussten wir aufstehen und alle gemeinsam tanzen.

Der Rhododendron steht auf Lumsa-Höhe (2500 m) in voller Blüte.

Abschiedsfotos, eine Ra-Ra-Nudelsuppe, und dann: nichts wie los! Unsere erste Tagesetappe ist steil, aber kurz. In nur vier Stunden erreichen wir Lamuje (3500 m), und passieren dabei atemberaubend schöne Rhododendron-Wälder, die gelegentlich den Blick auf die umliegenden Berge freigeben.

Beim abendlichen Kartenspiel wird zum ersten Mal in größerer Runde ausgehandelt, wer die meisten Grunzochsen hütet, bevor die erste, entscheidende Nacht anbricht. Vertragen wir alle diesen relativ großen Anstieg der Schlafhöhe?

Die ersten Meter von Likhupike, auch als Peekey Basecamp (3750 m) bezeichnet, zum höchsten Punkt dieses wirklich großartigen Aussichtsberges.

Als wir am nächsten morgen, dem 30.03., erwachen: Müde Gesichter, ungewaschene Haare, aber keine Höhenkrankheit! Das ist die erste gute Nachricht an diesem wunderschönen Tag, der uns mit blauem Himmel zu einer weiteren kurzen Etappe einlädt.

Vom Peekey Peak kann man das Khumbu Himal und auch die Berge des Rowaling Himal sehen. Vier 8000er sind dabei, auch der Everest und sogar der Mera-Peak.

Wir streifen durch moosbehangene Wälder und überqueren Bachläufe, die von kleinen lilafarbenen Blüten gesäumt sind. Mittags erreichen wir unser Tagesziel am Fuß des Peekey Peaks und entscheiden uns nach einer Mittagsrast, den Gipfel nachmittags noch zu erwandern.

Im wunderschönen Abendlicht bekommen wir einen atemberaubenden Blick auf die Berge des Rowaling-Himalaya und einen ersten Ausblick auf die morgige Etappe. Was uns wohl hinter der nächsten Bergkuppe erwartet?

Text: Luisa Kurowski, Fotos: Olaf

Das Team auf dem 4065 m Peekey Peak. (Links Te Kumar, mein Co Guide in gelb und Bijay in rot/schwarz, einer unserer Träger und auch schon seit langem ein guter Freund. Bijay ließ es sich nicht nehmen, uns auf den Peekey Peak zu begleiten, obwohl er den ganzen Tag im Gegensatz zu uns Lasten getragen hat! Mir ist es ein Rätsel, woher diese tapferen Jungs ihre Energie nehmen.)

zu den anderen Blogbeiträgen dieser Tour:

Mera – Der höchste Punkt

Die neuen Alten

Das könnte dich auch interessieren …

5 Antworten

  1. Dennis sagt:

    Viel Erfolg den Teilnehmern und viele Grüße an Luisa 😉

  2. Detlef Weyrauch sagt:

    Vor einem Jahr hatten wir erstmals Lumsa besucht. Ich war schwer beeindruckt. Seit vielen Jahren gibt es in Halle (Saale) einen Lumsa-Verein, der seinerzeit den Aufbau und späteren Wiederaufbau und Betrieb der Schule finanziell unterstützt hat und das weiterhin tut. Jedes Jahr gibt es den Lumsa-Spendenlauf, an dem ich auch 2024 teilgenommen habe. Die Vorführungen, die Ihr diesmal erlebt habt, waren noch schöner. Ich wünsche euch weiterhin eine erlebnisreiche Tour. Besondere Grüße an Luisa, Te Kumar, Olaf und Bernd.

    • Olaf Rieck sagt:

      Lieber Detlef und lieber Dennis,

      vielen Dank für die guten Wünsche. Die Sondergrüße sind ordnungsgemäß ausgerichtet. Herzliche Grüße zurück aus Pangkongma von uns allen.

  3. Stefanie sagt:

    Ganz viel Erfolg und vorallem Spaß bei eurer Reise. Ich freue mich von euch zu lesen.
    Liebe Grüße
    Stefanie

  4. Veronica sagt:

    Ein schöner Text, Luisa! Und tolle Fotos, Olaf – wie immer! So bin ich auch jetzt wieder auf dem Laufenden! Toll, was euch in Lumsa alles geboten wurde! Und die Rhododendren in voller Blüte …. ein Traum!
    Liebe Grüße an euch alle, Veronica

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Durch die weitere Nutzung der Seite stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen